Zur Geschichte der Burg Bodenstein

// Zeittafel zur Geschichte der Burg
// Jüngere Geschichte der Burg - Teil I von 1948 bis 1971
   
     
Der Charakter unseres Hauses wird nicht unwesentlich von dem besonderen Ambiente der alten Burg Bodenstein bestimmt. Damit Sie dem nachspüren können, wollen wir im folgenden eine kleine Einführung in die Geschichte der Burg geben.




 

Die älteste Kunde aus der Vorgeschichte der Burg erzählt von dem Felsen "Bodenstein", hoch über dem eichsfeldischen Dorf Wintzingerode gelegen, auf dem die Germanen in vorchristlicher Zeit eine Kult- und Opferstätte dem Sonnengott Wodan errichtet hatten. In karolingischer Zeit wurde auf dem Bodenstein eine bedeutende Grenzfeste zwischen dem heidnischen Sachsen und dem schon christianisierten Franken errichtet. Die erste, heute noch erhaltene urkundliche Erwähnung von Burg Bodenstein stammt aus dem Jahr 1098. Ihre damaligen Bewohner waren die Edelherren von Bodenstein, die die Burg Ende des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Honstein abtraten.

1337 kauften Hans von Wintzingerode, Berthold von Worbis, Berthold von Rusteberg und Johann Wolf gemeinsam das "veste Haus" auf dem Bodenstein samt allen dazugehörigen Ländereien. Im Jahre 1448 kam die Burg in den alleinigen Besitz der Familie von Wintzingerode, die bis 1945 auf ihr lebte und die Geschichte des Eichsfeldes wesentlich prägte.

Im Bauernkrieg verteidigte der Ritter Barthold den Bodenstein gegen die aufständischen Bauern Thomas Müntzers. Bemerkenswert ist, dass sich die Bauern aus den Dörfern der Wintzingerodes nicht Müntzer anschlossen, sondern ihren Herren unterstützten. Der Grund dafür ist in dem sozial gesinnten Umgang der Wintzingerodes mit ihren Untertanen zu suchen. So übergaben sie z.B. im Jahre 1520 die gesamte Feldflur zwischen Kirchohmfeld und dem Kanstein an ihre untertänigen Bauern. In der Folge rächten sich die aufständischen Bauern um Müntzer an den Wintzingerodes, indem sie die Dörfer Wintzingerode und Kirchohmfeld nieder brannten.

Schon in den ersten Jahren der Reformation schloss sich das Rittergeschlecht von Wintzingerode der protestantischen Bewegung an. Die ersten heimlichen evangelischen Gottesdienste des Eichsfeldes fanden im alten Mannschaftshaus der Burg (jetzige Ruine) statt. In den folgenden Jahren entbrannte ein heftiger Kampf zwischen Barthold und dem katholischen Kurfürst und Erzbischof Daniel von Mainz, der im Eichsfeld unter dem Einfluss der Jesuiten schon sehr früh die Gegenreformation durchführen wollte. Barthold wurde in einen Hinterhalt gelockt, gefangen gesetzt, nach einem Scheinprozess in Mainz zum Tode verurteilt und im Sommer 1575 hingerichtet. Nach seinem Tod wurde im Eichsfeld die Gegenreformation rigoros durchgeführt. Dem diplomatischen Geschick von Bartholds Vettern und der Unterstützung des Herzogs Julius von Braunschweig ist es zu verdanken, dass Bodenstein auch weiterhin im Besitz derer von Wintzingerode blieb und ihre Dörfer den evangelischen Glauben behalten konnten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor Burg Bodenstein endgültig ihren militärischen Wert und Heinrich Jobst Freiherr von Wintzingerode ließ den Bergfried der Burg abbrechen, den Terrassengarten anlegen und die Burg zum "Schloss Bodenstein" umbauen. Aus dieser Zeit stammt auch die frühbarocke Schlosskapelle, die im Jahre 1668 eingeweiht wurde.
Die Herren von Wintzingerode traten in den folgenden Zeiten sehr oft in die politischen Dienste der großen Landesfürsten, so auch Georg Ernst Levin als Oberhofmarschall in den Dienst des Kurfürsten von Hessen. Auf Grund seiner Verdienste wurde er 1794 durch den Deutschen Kaiser in Wien in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben.

Nach dem Tod des hessischen Kurfürsten heiratete er dessen Frau, die Landgräfin Philippine von Hessen-Kassel, eine Nichte Friedrich des Großen. Nach ihrem Tod im Jahr 1800 fiel ihr gesamtes Vermögen an ihren zweiten Ehemann. So kam ein Großteil wertvoller Kunstschätze aus dem Besitz der Landgräfin auf den Bodenstein. Georg Ernst Levin wurde nach ihrem Tod Erster Staatsminister, Außenminister und Ordens-Großkanzler in Württemberg.

Wilko Ernst Ludwig Levin ( Enkel von Georg Ernst Levin ) wurde 1. Landeshauptmann der preußischen Provinz Sachsen, des heutigen Sachsen - Anhalt. Er war der Begründer des Evangelischen Bundes. Im Innenhof der Burg erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Seine Schwiegertochter Gisela, geborene Gräfin von der Schulenburg, war im Dritten Reich Mitglied der Bekennenden Kirche und stand im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach 1945 wurde die Familie von Wintzingerode im Zuge der Bodenreform vom Bodenstein enteignet. Nach der Flucht der Gräfin in den Westen wurde das Schloss weitgehend geplündert. Mit Hilfe des befreundeten Pfarrers und späteren Bischofs von Hannover, Hans Lilije, setzte sich Gräfin Gisela dafür ein, dass die Burg der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen übertragen wurde, in deren Eigentum sie 1947 auch gelangte.

Unter Leitung von Schwester Ruth Misch nutzte die Evangelische Kirche die Burg von 1948 - 1971 als Müttererholungsheim und vordiakonische Ausbildungsstätte für junge Mädchen.
Von 1971- 1989 wurde die Burg als kirchliches Tagungs- und Erholungsheim genutzt und bot unter den Engigkeiten der DDR-Zeit vielen Menschen und Gruppen geistigen Freiraum, Gemeinschaft, Besinnung und Erholung.

Mit einem erheblichen finanziellen Aufwand erfolgte von 1991 bis 1994 die Sanierung und Restaurierung der gesamten Burg. Der Umbau sollte den Erfordernissen einer modernen Familienferienstätte entsprechen, den historischen Charakter der Burg weitgehend bewahren und zugleich den inhaltlichen und geistlichen Anliegen der sich entwickelnden neuen Arbeit dienen.