Die älteste Kunde aus der Vorgeschichte der Burg erzählt
von dem Felsen "Bodenstein", hoch über dem eichsfeldischen
Dorf Wintzingerode gelegen, auf dem die Germanen in vorchristlicher
Zeit eine Kult- und Opferstätte dem Sonnengott Wodan errichtet
hatten. In karolingischer Zeit wurde auf dem Bodenstein eine
bedeutende Grenzfeste zwischen dem heidnischen Sachsen und dem
schon christianisierten Franken errichtet. Die erste, heute
noch erhaltene urkundliche Erwähnung von Burg Bodenstein
stammt aus dem Jahr 1098. Ihre damaligen Bewohner waren die
Edelherren von Bodenstein, die die Burg Ende des 13. Jahrhunderts
an die Grafen von Honstein abtraten.
1337 kauften Hans von Wintzingerode, Berthold von Worbis,
Berthold von Rusteberg und Johann Wolf gemeinsam das "veste
Haus" auf dem Bodenstein samt allen dazugehörigen
Ländereien. Im Jahre 1448 kam die Burg in den alleinigen
Besitz der Familie von Wintzingerode, die bis 1945 auf ihr
lebte und die Geschichte des Eichsfeldes wesentlich prägte.
Im Bauernkrieg verteidigte der Ritter Barthold den Bodenstein
gegen die aufständischen Bauern Thomas Müntzers.
Bemerkenswert ist, dass sich die Bauern aus den Dörfern
der Wintzingerodes nicht Müntzer anschlossen, sondern
ihren Herren unterstützten. Der Grund dafür ist
in dem sozial gesinnten Umgang der Wintzingerodes mit ihren
Untertanen zu suchen. So übergaben sie z.B. im Jahre
1520 die gesamte Feldflur zwischen Kirchohmfeld und dem Kanstein
an ihre untertänigen Bauern. In der Folge rächten
sich die aufständischen Bauern um Müntzer an den
Wintzingerodes, indem sie die Dörfer Wintzingerode und
Kirchohmfeld nieder brannten.
Schon in den ersten Jahren der Reformation schloss sich das
Rittergeschlecht von Wintzingerode der protestantischen Bewegung
an. Die ersten heimlichen evangelischen Gottesdienste des
Eichsfeldes fanden im alten Mannschaftshaus der Burg (jetzige
Ruine) statt. In den folgenden Jahren entbrannte ein heftiger
Kampf zwischen Barthold und dem katholischen Kurfürst
und Erzbischof Daniel von Mainz, der im Eichsfeld unter dem
Einfluss der Jesuiten schon sehr früh die Gegenreformation
durchführen wollte. Barthold wurde in einen Hinterhalt
gelockt, gefangen gesetzt, nach einem Scheinprozess in Mainz
zum Tode verurteilt und im Sommer 1575 hingerichtet. Nach
seinem Tod wurde im Eichsfeld die Gegenreformation rigoros
durchgeführt. Dem diplomatischen Geschick von Bartholds
Vettern und der Unterstützung des Herzogs Julius von
Braunschweig ist es zu verdanken, dass Bodenstein auch weiterhin
im Besitz derer von Wintzingerode blieb und ihre Dörfer
den evangelischen Glauben behalten konnten.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor Burg Bodenstein
endgültig ihren militärischen Wert und Heinrich
Jobst Freiherr von Wintzingerode ließ den Bergfried
der Burg abbrechen, den Terrassengarten anlegen und die Burg
zum "Schloss Bodenstein" umbauen. Aus dieser Zeit
stammt auch die frühbarocke Schlosskapelle, die im Jahre
1668 eingeweiht wurde.
Die Herren von Wintzingerode traten in den folgenden Zeiten
sehr oft in die politischen Dienste der großen Landesfürsten,
so auch Georg Ernst Levin als Oberhofmarschall in den Dienst
des Kurfürsten von Hessen. Auf Grund seiner Verdienste
wurde er 1794 durch den Deutschen Kaiser in Wien in den erblichen
Reichsgrafenstand erhoben.
Nach dem Tod des hessischen Kurfürsten heiratete er
dessen Frau, die Landgräfin Philippine von Hessen-Kassel,
eine Nichte Friedrich des Großen. Nach ihrem Tod im
Jahr 1800 fiel ihr gesamtes Vermögen an ihren zweiten
Ehemann. So kam ein Großteil wertvoller Kunstschätze
aus dem Besitz der Landgräfin auf den Bodenstein. Georg
Ernst Levin wurde nach ihrem Tod Erster Staatsminister, Außenminister
und Ordens-Großkanzler in Württemberg.
Wilko Ernst Ludwig Levin ( Enkel von Georg Ernst Levin )
wurde 1. Landeshauptmann der preußischen Provinz Sachsen,
des heutigen Sachsen - Anhalt. Er war der Begründer des
Evangelischen Bundes. Im Innenhof der Burg erinnert eine Gedenktafel
an ihn.
Seine Schwiegertochter Gisela, geborene Gräfin von der
Schulenburg, war im Dritten Reich Mitglied der Bekennenden
Kirche und stand im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Nach 1945 wurde die Familie von Wintzingerode im Zuge der
Bodenreform vom Bodenstein enteignet. Nach der Flucht der
Gräfin in den Westen wurde das Schloss weitgehend geplündert.
Mit Hilfe des befreundeten Pfarrers und späteren Bischofs
von Hannover, Hans Lilije, setzte sich Gräfin Gisela
dafür ein, dass die Burg der Evangelischen Kirche der
Kirchenprovinz Sachsen übertragen wurde, in deren Eigentum
sie 1947 auch gelangte.
Unter Leitung von Schwester Ruth Misch nutzte die Evangelische
Kirche die Burg von 1948 - 1971 als Müttererholungsheim
und vordiakonische Ausbildungsstätte für junge Mädchen.
Von 1971- 1989 wurde die Burg als kirchliches Tagungs- und
Erholungsheim genutzt und bot unter den Engigkeiten der DDR-Zeit
vielen Menschen und Gruppen geistigen Freiraum, Gemeinschaft,
Besinnung und Erholung.
Mit einem erheblichen finanziellen Aufwand erfolgte von 1991
bis 1994 die Sanierung und Restaurierung der gesamten Burg.
Der Umbau sollte den Erfordernissen einer modernen Familienferienstätte
entsprechen, den historischen Charakter der Burg weitgehend
bewahren und zugleich den inhaltlichen und geistlichen Anliegen
der sich entwickelnden neuen Arbeit dienen.
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